Der Faire Handel steht für mehr
Gerechtigkeit im Handel mit der Dritten Welt.
Problematik:
Die Benachteiligung der Produzenten
in den Entwicklungsländern ergibt sich zum einen aus der wirtschaftlichen
und sozialen Unterentwicklung des jeweiligen Raumes, zum anderen ist das
Weltwirtschaftssystem Schuld an der herrschenden Armut in diesen Ländern.
Die Preise vieler vorwiegend aus der Dritten Welt stammender landwirtschaftlicher
Produkte werden nicht von ihren Erzeugern bestimmt, sondern an der Börse
ausgehandelt (dies gilt z.B. für Zucker und Kaffee). Der Erlös
reicht den Produzenten jedoch meist nicht einmal ihren Lebensunterhalt
zu decken. Von steigenden Weltmarktpreisen profitieren hauptsächlich
die Händler. Da die Bauern in den Entwicklungsländern zum größten
Teil für den Export produzieren, sind sie von den Zwischenhändlern,
die ihnen die Erzeugnisse abnehmen und den geringen Erlösen, die diese
zahlen, abhängig.
Fairer Handel als Lösungsversuch:
Durch den Fairen Handel wird versucht
für die benachteiligten Produzenten in den Entwicklungsländern
eine gerechtere Struktur im Welthandel zu schaffen.
Entwicklung des Fairen Handels:
Zu Beginn der 70er Jahre startete die Aktion „Dritte-Welt-Handel“, die von kirchlichen, karitativen und antikapitalistischen Gruppen getragen wurde. Diese Initiative hatte zum einen das Ziel die benachteiligten Bevölkerungsgruppen in den Entwicklungsländern zu fördern und zum anderen eine neue Weltwirtschaftsordnung zu erreichen und die westliche Überflußmentalität infrage zustellen. Diese Absichten wollten die jeweiligen Gruppen durch den alternativen Handel verwirklichen. Die Zwischenhändler wurden ausgeschaltet und es wurden gerechtere Löhne gezahlt.
Ende der 80er Jahre wurde die Entwicklung des alternativen Handels hauptsächlich durch die GEPA forciert. Die Produkte waren nun nicht mehr nur über Weltläden erhältlich, sondern auch in Bioläden, kleinen Einzelhandelsgeschäften und Supermärkten.
Der Titel wurde von alternativer
Handel in Fairer Handel umbenannt. Dadurch sollte zum Ausdruck kommen,
daß dieses Konzept nicht nur eine Alternative zum kapitalistischen
Wirtschaftsmodell darstellt, sondern faire Bedingungen für benachteiligte
Produzenten im Wirtschaftssystem gewährleisten soll.
Konzepte:
Im Fairen Handel kann man grundsätzlich zwei Konzepte unterscheiden.
Zum einen gibt es Organisationen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben Kriterien für die Auswahl von Produzenten und die Handelsbedingungen aufzustellen und dessen Einhaltung zu kontrollieren. Sie vergeben für eine Gebühr ihr jeweiliges Siegel an Lizenznehmer, die mit den Bauern in der Dritten Welt in Kontakt stehen und die Produkte vertreiben. Das bekannteste Beispiel einer solchen Organisation ist TransFair.
Zum anderen gibt es das Weltläden-Konzept.
Hierbei gelten Kriterien für den gesamten alternativen Handelsweg
von den Produzenten bis zu den Weltläden.
Produzent
I
kleinbäuerliche Familienbetriebe
I
I
V
kein Zwischenhandel,
sondern Direktimport
I
I
I
V
Importeur
alternative Handelsorganisation
 
(z.B. Gepa) oder beliebig, wenn Kriterien eingehalten
werden (z.B. bei TransFair)
I
I
V
Kunde
entweder Vertrieb nur über alternative
Strukturen (z.B. Weltläden, Aktionsgruppen)
oder Vertrieb über Supermärkte , Einzelhandel
Grundsätze:
Faire Preise:
Im Mittelpunkt beim Fairen Handel steht der Mensch und seine elementaren Bedürfnisse. Die Deckung dieser Grundbedürfnisse der Produzenten und ihren Familien soll durch einen gerechten Preis für die geleistete Arbeit und die Erzeugnisse gewährleistet werden.
Die Preise für die Produkte des Fairen Handels sind somit etwas höher, da die Kostenfaktoren, die durch die Einhaltung bzw. das Erreichen bestimmter Sozial- und Umweltstandards entstehen, mitkalkuliert werden müssen.
Pauschalisierte Kalkulation:
darunter Lohn, Material
26%
Projektaufschläge
7%
darunter
Import, Vertrieb
16%
Verwaltung
9%
Der gerechte Preis soll den Bauern ein „würdiges Leben“ ermöglichen. Daher werden drei Aspekte berücksichtigt:
Es wurde die Regelung getroffen je nach
Produkt einen Mindestpreis an die Bauern zu zahlen. Dieser liegt meist
weit über dem Weltmarktpreis. Weiterhin sind Aufschläge z.B.
für ökologischen Anbau oder Begleitprojekte möglich. Bei
der Preisfestlegung beraten die Produzenten in der Regel mit. Außerdem
können sie selbständig darüber entscheiden, in welchen Bereichen
sie ihr Einkommen einsetzen (z.B. auch in der Verbesserung der Infrastruktur).
Hilfsorganisationen werden nach Wunsch beratend aktiv.
Produzenten:
Importorganisationen:
Einkaufsmöglichkeiten:
Es gibt kein einheitliches Siegel für
den Fairen Handel, sondern es werden z.B. das TransFair-Siegel oder eigene
Siegel wie „Hand in Hand“ verwendet oder auf ein Siegel verzichtet. Daher
sind auch die Kriterien des Fairen Handels nicht klar zu erfassen.
--> bekannte „Faire Händler“ auf dem deutschen Markt
--> Dritte-Welt-Handel: Weltläden, Dritte-Welt-Aktionsgruppen, Kirchengemeinden
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