Ballade von den Säckeschmeißern
 
 
 

ĄOh, mich ziehtís nach einem fernen Lande,
wo die schlanke Tropenpalme prangt.
In Brasilien, am Rio Grande,
werden Kaffesäckeschmeißer verlangt.
Es gibt zuviel Kaffee auf der Welt
Und darum pro Zentner zuwenig Geld,
drum wird Ė so will es das Weltgewissen
die halbe Ernte ins Wasser geschmissen.
Immer rin, mein Junge,
das hatín Sinn mein Junge!
Da steckt was hinter, mein Junge,
das wird ein Winter mein Junge!
Ich sagĎ allen feiernden Familien:
Marsch, marsch nach Hamburg in den ersten,
besten Kahn!
Auf, auf nach Brasilien Ė
Und rin mit dem Mokka in den Ozean!
Und hat der Menschenhai am Rio Grande
an seinem nassen Kaffee profitiert,
werden wir aus diesem reichen Lande
gleich nach Kanada exportiert.
Es gibt zuviel Weizen auf der Welt
Und darum pro Tonne zuwenig Geld.
Die Nahrung könnte zu billig sein,
drum muß der Weizen ins Feuer rein.
Immer rin, mein Junge,
das hatín Sinn, mein Junge!
Da steckt was dahinter, mein Junge,
das wird ein Winter, mein Junge!
Proleten, packt eure habe,
die reiche Ernte hat uns die Preise verhunzt.
Brotfrucht ist Teufelsgabe,
drum rin mit die Schrippen in die Feuersbrunst!
Sie werfen den Weizen ins Feuer,
sie werfen den Kaffee ins Meer.
Und wann werfen die Säckeschmeißer
Die fetten Räuber hinterher?
Siehst du, das hatín Sinn, mein Junge!
Siehst du, das wird ein Winter, mein Junge,
wie er in deinem Leben
nie wiederkehrt!ď

Julian Arendt, in: Hanns Eisler, Lieder und Kantaten, Bd.5,
Leipzig 1955, S. 68
Quelle: Kaffee + Kaffeehaus, Eine Kulturgeschichte, Leipzig 1987
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