Kleidung in Indien


Seidenherstellung
Textilindustrie
Stoffe
Kleidungsarten

Seidenherstellung
Seide ist eins der wichtigsten Stoffe Indiens und der Produzent des Seidengarns wurde von Tipu Sultan um 1786 zum ersten Mal gezüchtet. Dieser Produzent ist der Maulbeerfalter. Die Seidenverkäufer kauften von den Bauern Kokons, aus denen nach einer Zeit Falter schlüpfen, die dann auf Krankheiten untersucht werden. Die Gesunden beider Geschlechter werden 4 Stunden zusammengebracht. Bevor sie wieder zusammengebracht werden, kommen die Männchen zur Erholung in den Kühlschrank und die Weibchen werden in geordneten Abständen auf ein Blatt Papier gesetzt, auf welches sie 400-600 Eier ablegen. Die Bauern kaufen die Blätter mit der abgezählten Brut und nach zehn Tagen schlüpfen die winzigen Larven. Die Raupen werden in Bambuskörben gehalten und mit den zerkleinerten Blättern des Maulbeerbaums gefüttert. Schließlich verpuffen sich die Raupen in der letzten Phase der Metamorphose. Die Kokons, in denen die Puppen durch Heißluft getötet wurden, werden dann auf der Versteigerung des Kokonmarktes verkauft. Die Käufer legen die Kokons nach dem Kauf in siedendes Wasser. Wenn sich der Bindungsstoff zwischen den 18 und 30 Tausendstel mm dünnen Fäden gelöst hat, wird der Faden auf eine Spule gedreht. Diese Fäden werden, nachdem sie vom Seidenleim befreit worden sind, miteinander verzwirnt. Nun kann aus dem Seidengarn verschiedene Garntypen gemacht werden.

Geschichte der Kleidung und der Textilindustrie
Es gibt wohl kaum eine Nation in der dritten Welt, die so weit in der Textilindustrie entwickelt sind. Sie halten konsequent an ihren Traditionen fest, und das nicht nur mit der Kleidung an den Festtagen. Unter dem Einfluß der Kolonialzeit haben sich gewisse Moden durchgesetzt wie Oberhemd, Anzüge und Kleider, die meist von Kindern in Missionsschulen getragen werden. Indien verfügt über eine hochentwickelte Textilindustrie, die damals von britischer Kongruenz und Zollgesetzen eingeschränkt wurden. Es werden feinste Tuche, Brokaten, Seide und Musselinen hergestellt. Meist wurden die Luxusartikel von Fürstenhöfen, Adligen und hohen Beamten gekauft. Ebenfalls wurde in Indien Export betrieben und ein Binnenmarkt war für den Absatz einfacher Baumwolltuche verantwortlich. Im 17 Jahrhundert waren viele Menschen Weber. Die Geräte waren einfacher Natur, aber waren dennoch technisch hoch entwickelt. Indien konnte wegen der hohen Schutzzölle der Briten nur England mit Rohbaumwolle versorgen. Als Gandi etwas später das Handspinnen einführte, begann sich dann im 19 Jahrhundert eine eigene Baumwollindustrie richtig zu entwickeln. Sie zentrierte sich an der Westküste Indiens, aber auch in Mittelindien. Zuerst wurde der Aufstieg des indischen Industriezweiges von britischer Seite behindert, trotzdem war Indien bereits 1914 der viertgrößte Produzent der Welt.

Stoffe:
In Indien gibt es viele Arten von Stoffen. Beispiele sind z.B. Chiffon, ein sehr dünnes, zartes und schleierartiges Gewebe, welches von der Seide abgeleitet wurde. Ebenfalls gibt es noch das Satin, ein stark glänzendes Gewebe aus Seide oder Baumwolle. Krepp ist ein feiner, fließender Stoff mit mehr oder weniger Krauser Oberfläche. Aus Kreppgarn kann Georgette gemacht werden. Georgette ist ein zartes durchsichtiges Gewebe. All diese Garne haben das Seidengarn zur Grundlage. Die Garne wurden früher von Frauen der mittleren und niedrigen Kaste gesponnen. Die Stoffe wurden mit natürlichen Farben gefärbt. Häufig wurde die Seide in Bengalen, Gujarat oder Kaschmir gewonnen und verarbeitet.

Kleidungsarten:

Das bekannteste und typischste indische Seidengewand ist der Sari, der meistens von Frauen zu Festlichkeiten getragen wird. Ebenfalls ist der Sari zum Nationalkleid Indiens geworden. Häufig ist der Sari aus Seide, es kann aber auch aus Baumwolle oder künstlichen Material sein. Das Besondere am Sari ist der schnitt und die Größe. Der Stoffbahn ist knapp sechs Meter lang und wird in Falten vor den Bauch gelegt und unter dem Rock festgesteckt. So weißt er keine nähte auf. Unter dem Sari wird eine farblich abgestimmte hautenge Bluse bis über den Bauchnabel und ein fester Unterrock getragen. Das Ende des Saris wird als Schal am Kopf getragen. Auf Hochzeiten wird meistens der Hochzeitssari getragen. Meist sagt der Stoff und die Farbe des Kleides einiges über den Zustand, das Alter, den Besitz, die Religion und die Region der Frau aus. Wenn unter einem Sari eine kurze Bluse um die Taille getragen wird, nennt man dies einen Choli. Der Choli hat sich aus einer Kleidungsart des 10 Jhr. n. Chr. herausgebildet. Es wurde vorne Stoff getragen; der Rücken war immer frei.
Die Frauen in Ratjasthan tragen einen Faltenrock, der Ghagra oder Lehanga genannt wird. Dieser Rock ist an der Taille abgesichert und der Rücken ist frei. Der Kopf ist von einem langem Schal bedeckt, der aus feinster Baumwolle gemacht wird. Dieser Schal wird Orhni oder Dupatta genannt.
Ein anderer bekannter Hosenanzug der Frauen ist der Salwar-Kameez. Dieser zweiteilige Hosenanzug wurde zu einem bequemen und respektierbaren Anzug, der meistens von Frauen in Kaschmir und Punjab getragen wird. Er ist aber auch in allen anderen Regionen Indiens bekannt geworden. Salwars sind Pyjamaähnliche Hosen, die an der Taille und an den Fußgelenken wie Strumpfhosen gezeichnet sind. Über den Salwar tragen die Frauen eine lange und weite Tunika, eine Art Hemdbluse, die Kameez genannt wird. Hin und wieder tragen die Frauen anstatt eines Salwar einen Churidar. Ein Churidar ist einem Salwar ähnlich, aber er ist an der Hüfte, an der Taille und an den Fußgelenken passender. Über diesen kann eine Tunika mit Kragen oder ohne getragen werden. Diese wird Kurta genannt.
Die Männer in Indien tragen meist ein Oberhemd und eine Hose. Doch die Männer der Dörfer sind mehr für bequeme und traditionele Kleidung wie Kurtas, Lungis, Dhotis und Pyjamas. Der traditionele Lungi entstand im Süden und wird heute von Männern genauso wie von Frauen getragen. Er wird als kurzer Stoff rundum die Tailie getragen und weißt genau wie der Sari keine Nähte auf. Ein Dhoti ist ein längerer Lungi, aber mit einem zusätzlichen Stoff, der zwischen den Beinen hochgezogen wird. Die pyjamas werden auch Lengas genannt.
Die indischen Männer tragen einen Turban auf dem Kopf, der nach Region, Religion und Kaste variiert. Nicht jeder Inder trägt einen Turban. Häufiger werden auch riesige, farbenfrohe Kopfbedeckungen oder auch besondere tiefrote Turbane getragen. Diese unterstreichen die Würde ihrer Träger.

Informationsquellen:
Internet:
- http://www.Indiagov.Org/culture/dresses/dress.htm
Bücher:
- Bildatlas, Special Südindien
- Großes Handlexikon
- Indien Becksche Reihe (Länder) - Die große illustrierte Länderkunde 1
Fotos:
http://www.indiagov.org/cuture/dresses/dress.htm